(c) Alex Lahnstein

Glorioser Abschluss der Altgriechisch AG

Alex Lahnstein (Q1) hat nach drei Jahren Vorbereitung die Bestnote erreicht!

Das erfordert hohe Disziplin, sehr viel Begeisterung und Liebe zu einer alten Sprache, die wir auf diese Weise am Leben erhalten.

3 Jahre lang, jede Woche drei Stunden Altgriechisch-Kurs, wenn andere aus dem Schulgebäude stürmen. Und am Nachtmittag dann noch Wörter lernen und Übersetzungen anfertigen, wenn andere schon längst draußen Basketball spielen.

Nach der Lektürephase kam dann noch, laut Lehrplan, Homers Odyssee. Eine wirklich absurde Lektüreanweisung. Das Lehrbuch ist attisches Griechisch, Homer nicht. Das Lehrbuch bietet Prosa, Homer ist episch. Das Lehrbuch spielt im 4. Jahrhundert, Homer im 8. Jahrhundert. Wortschatz, Grammatik, Lebenswelt, alles 400 Jahr früher.

Aber Alex hat den Spagat geschafft zwischen dem, was er gelernt hat, und dem, was er nun übersetzen soll, ein altertümliches Epos aus einer heroischen Welt. Auf den Spuren des jungen Telemachos erlebte er die Verwahrlosung von Ithaka, die Frechheit der Freier, die stille Verzweiflung seiner Mutter und das 20 Jahre lange Hoffen auf die Rückkehr des klugen Odysseus.

Das Graecum unter diesen Bedingungen ist eine äußerst anspruchsvolle und schwierige Prüfung: 60 Wörter Homer in 30 Minuten übersetzen und darüber hinaus noch das Skandieren, das metrische Lesen, vorbereiten – die Aufgabenstellung mit dieser Zeitvorgabe „ sportlich“ zu nennen, ist eine unsportliche Untertreibung.

Aber Alex hat diese Hürden gemeistert, ganz meisterhaft mit Bestnote, er kam mit der knappen Zeit zurecht und konnte sogar die unerwarteten Fragen des externen Vorsitzenden geschickt parieren.

Lieber Alex, wenn du diese schwierige Prüfung so glänzend bestanden hast, wirst du auch viele andere Herausforderungen in der Zukunft leicht bewältigen können. Herzlichen Glückwunsch! Mit dieser Disziplin, Hartnäckigkeit und intellektuellen Durchdringungskraft hast du ein gutes Rüstzeug für deine Zukunft! Auch deine Begeisterungsfähigkeit, ohne die man gar nichts erreicht, muss hier erwähnt werden. Sie wird dich weit tragen!

Mit dieser letzten Prüfung für Alex schließt die Altgriechisch AG ihre Pforten an dieser Schule, nach sechs erfolgreichen Graecumsprüfungen in den vergangenen 20 Jahren. Es gab auch viele, viele Schüler und Schülerinnen, die vor dem Graecum aufgaben, aber doch ihr Quantum Altgriechisch mitgenommen haben. Mit ihnen allen wird Altgriechisch weiter lebendig bleiben!

Fachschaft Latein, Dr. Heinke Stulz

Das Graecum im Stein: 25.5.2023

So wurde an dieser Schule zum 4. und 5. Mal das Graecum erreicht, aus einer AG heraus, mit jahrelangem, unglaublich stetigem Engagement von zwei Schülerinnen: Selina Endres und Ursula Olpen. Aber der Fleiß würde nichts nützen, wenn er nicht auf ein großes Sprachtalent und Begeisterung gestoßen wäre. Ich hoffe, dass Odysseus und Telemachos sie in ihrem Leben weiter begleiten und dass sie die Erinnerung daran, wie man das antike Leben in dieser erstaunlich reichen Sprache erleben kann, sie nicht verlässt.

Um die Leistung von Selina und Ursula etwas zu einzuschätzen: Stellen Sie sich vor, ein Flüchtling, der gerade mal vier Jahre Deutsch gelernt hat, mit 2-3 Stunden Unterricht pro Woche, muss in einer 3-stündigen Klausur nun Goethe in seine Heimatsprache übersetzen. So ungefähr ist das, wenn Schülerinnen nach 4 Jahren Lehrbuchunterricht aus der Odyssee von Homer übersetzen müssen, eine Sprache, die etwa 400 Jahre älter ist als das attische Griechisch aus unseren Lektionen. Nein, eigentlich ist der Unterschied noch krasser, es ist so, als ob sie als Sprachfremde das Nibelungenlied übersetzen müssten. So unterschiedlich ist die Sprache. Natürlich gibt es Wörterbücher und jede Menge Angaben zu den seltsamen Wortformen, aber es bleibt eine gewaltige Herausforderung, die die beiden jetzt bewältigt haben.

Vor dieser Kraftanstrengung haben sie vier Jahre lang wöchentlich Altgriechisch gelernt, freiwillig, neben der Schule, in einer AG. Das war erst einmal die seltsame, aber sehr hübsche Schrift zu beherrschen, das dauerte eine Weile, bis sich da die Welt der Wörter auftat. Dann ging es ans Wörterlernen. Eine kleine Hilfe war dabei, dass sich viele in unseren Fremdwörtern wiederfinden. Homöopathie, Monolith, Rhythmus, diese Verwandtschaften zu unserer Sprache aufzudecken, hat ihnen immer viel Vergnügen bereitet. Damit konnten sie auch manchmal ihre Lehrer überraschen, was immer ein schönes Ereignis war. Neben der exotischen Schrift und den Wörtern gab es auch abenteuerliche Grammatik, die sich die beiden aneignen mussten. Neben Konjunktiv und Indikativ, alte Bekannte aus allen Sprachen, haben wir einen Optativ, einen Wunschmodus. Neben dem Aktiv und Passiv, was jede Sprache aufweist, ziert das Griechische noch das Medium – das angibt, dass man etwas für sich tut. Als wäre das nicht genug, gibt es neben Singular und Plural sogar einen Dual. Das Altgriechisch ist wirklich eine Sprache, in der man sich sehr differenziert ausdrücken kann. Für weitere Differenzierungen hilft ein Blick auf all die „kleinen Wörter“, kleine Adverbien, die jeden Satz mit noch mehr Nuancen versehen, die in unserer Sprache nicht einmal adäquat übersetzt werden können – man kann die Bedeutung eigentlich nur erahnen, aber man schafft es wirklich, dieses Unsagbare intuitiv zu erfassen. Jeder übersetzte Satz ist eine Entdeckungsreise in ein Land mit unbekannten Ausdrucksmöglichkeiten. Sehr spannend!

Und für alle, die interessiert bis hierher gelesen haben: Im Herbst öffnet die Altgriechisch AG wieder ihre Tore für neue Interessenten dieser unglaublich feinen und schönen Sprache!

Dr. Heinke Stulz

Das Graecum, die Prüfung für Altgriechisch, haben am 24.5. bestanden: Selina Enders und Ursula Olpen. Hier zu sehen mit dem der Prüferin Frau Raible (Der Prüfer Herrn Dr. Knab ist nicht abgebildet).
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