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Lateinisch

Scientia potentia est. Wissen ist Macht. Francis Bacon (1561-1626)

Lehrpläne

Kernlehrplan [pdf]
für das Gymnasium – Sekundarstufe I
in Nordrhein-Westfalen
1. Auflage 2008

Kernlehrplan [pdf]
für die Sekundarstufe II Gymnasium / Gesamtschule
in Nordrhein-Westfalen
1. Auflage 2013

Fachschaft

Bürger, Grit
Ducke, Joachim
Fischer, Anke
Klein, Kerstin
Rabrig, Björn
Rath, Jochen
Stulz, Heinke
Uhlig, Sabine
Wahle, Kai

Wettbewerbe

  • Certamen Carolinum
  • Fremdsprachenwettbewerb Team Kreativ
  • Fremdsprachenwettbewerb Solo

Schülerfilme lateinisch - deutsch

An unserer Schule haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit Latein als erste Fremdsprache zu wählen. Bei unserem Konzept Latein plus haben die Kinder zusätzlich zum Lateinunterricht (fünf Wochenstunden) zwei Stunden Englisch, so dass der in der Grundschule begonnene Lernprozess auch in dieser Sprache nicht unterbrochen wird. In Klasse 6 wird dann Englisch automatisch die zweite Fremdsprache. Informationen zum Lateinunterricht und zur Frage „Warum überhaupt Latein?“ haben wir in einem Flyer für Sie zusammengestellt [hier].

Warum - in aller Welt – Latein? Zehn gute Gründe!

Latein offenbart Einsicht in allgemeine Gesetzmäßigkeiten von Sprachsystemen. Latein selbst ist konkret und systematisch – ist das überschaubare Grammatiksystem abwechslungsreich, mit Spaß und anhand von ansprechenden Inhalten erarbeitet, haben die Schüler feste Orientierung und unumstößliche Sicherheit. Dass Latein als tot bezeichnet wird, stellt hier eher einen Vorteil dar: der Unterricht erfolgt auf Deutsch, es wird nicht in, sondern über Sprache gesprochen. Genauso wie es in den Naturwissen-schaften nicht nur um die Feststellung von Tatbeständen gehen kann, sondern auch um Ursachenforschung, so widmet sich der Lateinunterricht – anders als es bei modernen Sprachen der Fall ist - der sprachlichen Regelfindung. Dass nicht Kommunikation, sondern Analysefähigkeiten im Vordergrund dieses Sprachenunterrichts stehen, wirkt sich eher entschleu-nigend auf das Unterrichtsgeschehen aus und tut der „email und sms“- Schülergeneration gut. Latein dient in dieser Funktion als Reflexionssprache und besitzt einen hohen Transferwert im Hinblick auf andere sprachliche Systeme und die Schulung systematischen Denkens. Die Erarbeitung der grammatischen Terminologie zur allgemeinen Beschreibung von Sprachen (nicht nur der lateinischen, sondern auch der modernen Sprachen) begleitet den Lateinunterricht kontinuierlich und die sinnvolle Erklärung dieser Begrifflichkeiten ist nur mit Lateinkenntnissen möglich (vgl. Modus, Partizip, Attribut,….).

Latein sorgt für die Erweiterung der muttersprachlichen Kompetenz. Übersetzungstätigkeit ist ein sehr komplexer Prozess, der Schüler vielseitig fordert und fördert. In einer ersten Phase geht es um die Ermittlung der inhaltlichen Aussage des jeweiligen Textes und die Analyse grammatischer Strukturen. In der zweiten Phase geht es um die Versprachlichung des Textes; Ziel hierbei ist eine überzeugende muttersprachliche Nachschöpfung, was sprachliche Kreativität bei der Suche um einen angemessenen Ausdruck und Sensibilität für die Intention des Autors erfordert. Der Schüler lernt hierbei sorgfältig und nuanciert mit seiner Muttersprache umzugehen.

Latein fördert die Kompetenzen Textverständnis und Lesefähigkeit. Kein Fach sollte nur der Grammatikpaukerei wegen unterrichtet werden, auch das Fach Latein nicht. Und so steht heute nicht mehr die Analyse des Einzelsatzes im Vordergrund, sondern das Textprinzip. Konkret versteht man darunter, in einem ersten Schritt die Textaussage zu erfassen; damit dies gelingt, muss die Fähigkeit erlernt werden, mannigfache Bezüge zwischen den Einzelsätzen und dem Text, in dem diese eingebettet sind, zu nutzen. Dass sich diese Fertigkeiten positiv auf die Lesefähigkeit und das Textverständnis unserer Muttersprache auswirkt, wiesen Untersuchungen der Universität Köln nach; Studenten, die Latein gelernt haben, erzielten hinsichtlich dieser Kompetenzen signifikant bessere Ergebnisse als ihre Kommilitonen.

Latein stellt mit seinem Wortschatz das Fundament unzähliger Fremd- und Lehnwörter der europäischen Sprachen dar und fördert somit die vernetzte und somit nachhaltige Erweiterung des Wortschatzes mehrerer Sprachen gleichzeitig. Der Wortschatz im Lateinischen wird vernetzt gelernt. Allein 11000 im deutschen bekannte Fremdwörter lassen sich auf ihren lateinischen Ursprung zurückführen: wem ein Wort wie Nation geläufig ist, dem fällt es nicht schwer, die Vokabel „natio –Volk, Stamm“ zu lernen und am besten noch gleichzeitig das englische „nation“. Wer noch nicht weiß, was Tradition, Mandant oder Argument bedeutet, aber nun durch den lateinischen Text „tradere“, „mandare“ und „arguere“ lernen muss, der hat nicht nur für Latein, sondern auch für Deutsch und andere Sprachen gelernt. Dieses vernetzte Lernen muss mühsam erarbeitet werden, ist aber dafür besonders nachhaltig. 20% der 8000 gebräuchlichsten italienischen Wörter sind mit dem lateinischen Wortschatz identisch; 20% der meist verwendeten französischen Wörter sind dem Lateinischen entlehnt und weisen denselben Wortstamm auf; Spanisch und Portugiesisch liegen dem Lateinischen sogar noch näher (25%). 65% des gesamten englischen Vokabulars, in Fachsprachen sogar 80%, stammen direkt oder indirekt aus dem Lateinischen. Da sich viele europäischen Nationalsprachen unter dem Einfluss regionaler Dialekte aus dem Vulgärlatein entwickelt haben, dient Latein spürbar als Brücke zu den modernen Fremdsprachen.

Latein ist schön und überliefert uns Sprachbilder und Sprachwitze. „Nie wieder wird es eine Sprache wie Latein geben, nie wieder werden Präzision und Schönheit eine solche Einheit bilden. Unsere Sprachen haben allesamt zu viele Wörter“ (Cees Nooteboom). Den Wortwitz vieler im Journalismus gängiger Sprachbilder kann man nur nachvollziehen, wenn man den literarischen Kontext und Ursprungsort kennt. Ob der Präsident im 20. Jahrhundert den Rubikon überschreitet, der Lehrer heutzutage Sisyphusarbeit leistet oder die Kanzlerin den gordischen Knoten zerschlägt, es ginge doch viel verloren, wenn diese humorvoll verschlüsselten Informationen keiner mehr zu entschlüsseln vermöchte. Latein schafft Zugang zur abendländischen Kulturgeschichte.

Im Lateinunterricht finden immer wieder kulturgeschichtliche Streifzüge statt und so wird durch die Beschäftigung v.a. mit antiken und mittelalterlichen Texten Basiswissen über das Fundament unserer europäischen, abendländischen Kultur vermittelt. So hilft der Lateinunterricht den Schülerinnen und Schülern, ihre Geschichte, die politischen und rechtlichen Zusammenhänge der Gegenwart oder etwa auch religiöse Fragen besser zu verstehen. Lateinische Texte der Antike sind seit Jahrhunderten immer wieder in der europäischen Geistestradition befragt und rezipiert worden und bieten sich auch heute noch als Ausgangspunkt zum Weiter- und Darüber-hinaus-Denken an. Die Antworten hinsichtlich der Grundphänomene des menschlichen Daseins mögen sich verändert haben; die Fragen jedoch sind die gleichen geblieben: Wie gehen wir etwa mit Herrschaft oder Tod um, weshalb ist Liebe so unbeschreiblich oder wieso ist es so unglaublich wichtig, dass der Mensch arbeiten kann und darf? Die Auseinandersetzung mit früheren, „fremden“ Texten lässt die Schülerinnen und Schüler bewusst werden, dass die Antworten der Gegenwart nur relativ sind. Selbstverständliches wird in Frage gestellt, der eigene Absolutheitsanspruch überwunden, Neugier auf „Fremdes“ geweckt. Somit schützt ein Lateinunterricht mit klug ausgewählten Texten vor bornierter Selbstüberschätzung und setzt „Bildungsprozesse“ in Gang, die nicht nur die Toleranz, sondern die Anerkennung und Wertschätzung des anderen Standpunktes fördern.

Latein trainiert geistige Kompetenzen. Im Lateinunterricht werden Arbeits-haltungen trainiert, die heute als „Schlüsselqualifikationen“ für künftige Führungskräfte gelten: Gründlichkeit / Detailgenauigkeit; Ausdauer / Beharrlichkeit; Analysefähigkeit (mit Blick für Zusammenhänge); Umsicht und Folgerichtigkeit im Erarbeitungsprozess; Konzentrationsfähigkeit und natürlich auch – denn zu den „kriminalistischen Lösungsversuchen“ bei der Texterschließung gehört (wie zum Leben) auch immer wieder das Scheitern – eine erhöhte Frustrationstoleranz. Diese Haltungen sind zugleich Stützen für die Mündigkeit und Selbstbestimmung des einzelnen Menschen und tragen so zur Emanzipation eines kritischen, anti-stromlinienförmig denkenden Menschen bei, der gewappnet ist vor Verführungen von Werbung, Medien sowie politischen und religiösen Heilsbringern gleich welcher Couleur.

Latein ist Schlüsselsprache der Wissenschaft. Latein gilt – neben Englisch – als Schüsselsprache der Wissenschaften, gleichsam als ein wichtiger „Zugangscode“ für akademisches Arbeiten an der Universität.  Geschichte etwa lässt sich ohne Latein nicht oder nur sehr eingeschränkt studieren, da nahezu sämtliche Quellen bis ins 18. Jahrhundert in Lateinisch verfasst wurden. Daher ist bis heute das Latinum Voraussetzung für ein geschichtswissenschaftliches Studium. Aber auch jüngere, sog. „moderne“ Wissenschaften wie Soziologie, Psychologie oder Pädagogik pflegen gerne eine verkomplizierende Fachsprache voller lateinstämmiger Fremdwörter, die es zu entziffern gilt. Eine Sprache, die sich jahrhundertelang als verlässliches und flexibles Instrument klarer Begrifflichkeit bewährt hat (etwa in der Medizin oder in der Biologie), bietet sich allerdings ja auch tatsächlich dazu an, neue wissenschaftliche Sachverhalte präzise zu benennen und terminologisch sauber von Begriffen der Alltagssprache abzugrenzen. – Natürlich besteht auch die Möglichkeit, das Latinum später in überfüllten Hörsälen an den Universitäten nachzuholen (denn für viele Fächer ist der Nachweis des Latinums obligatorisch!); dies kostet aber viel Zeit und Kraft!

Latein macht Spaß! Heute liest zum Glück keiner mehr Caesars commentarii wegen des Schlachtengetümmels und der Schlachtpläne, sondern eher wegen seiner rhetorischen Finesse, aus mehrfachem kriminellen Völkermord einen aus Roms Sicht gerechten Krieg zu machen. Kein Schüler muss sinnentleerte Einzelsätze übersetzen. Die Vermittlung von europäischer Tradition und Kultur soll nicht als Anbetung von Asche, sondern als Weitergabe des Feuers rüberkommen. Die Fachdidaktik ist komplett überarbeitet worden, modernisiert und heutzutage aktuell gehalten. Die Lehrbücher verfügen mittlerweile über ein ansprechendes Layout, die Lektionstexte sprechen schülernahe Themen an und lassen aktuelle Bezüge zu, das Übungsmaterial ist kreativ und abwechslungsreich gehalten (Rätsel, Comics, Graffiti), das Bildmaterial reichlich. Der Unterricht beinhaltet wesentlich mehr handlungsorientierte Phasen, als das früher der Fall war. Es werden Referate gehalten, Grammatik-Raps erstellt, Vokabelschlachten geschlagen, Reportagen zu Pompeji oder anderen Themen nachgestellt und gefilmt, Theaterstücke einstudiert. Das Kopffach Latein verpflichtet sich mittlerweile auch zu bewegtem Lernen und bewegten Erholungsphasen.

Kritiker, G8 und Angst vor Überforderung: Warum also - um Himmels Willen - Latein ?! Manch ein Kritiker fordert nun aber die in Latein investierte Zeit und Arbeit solle direkt in das Erlernen einer modernen Sprache investiert werden; diesem muss man entgegenhalten, dass er zwei übergeordnete Ziele gymnasialer Bildung missachtet; zum einen die Schaffung eines Bewusstseins für europäische Identität durch die Nutzung gemeinsamer Wurzeln und zudem die Chance auf vernetztes, vom Fundament ausgehendes und dadurch nachhaltigeres Lernen. Da das Lateinische als sprachliche Mutter die Einheit bietet, aus der sich dann die sprachlichen Stieftöchter als historische Sonderwege auffächern, kann man die Erlernung des Lateinischen nicht einfach als zweite Fremdsprache neben Englisch oder Französisch ansehen. Es erleichtert vielmehr vielfältiges Sprachenlernen, indem es Überschneidungen und Vernetzungen herausstellt. Wer Latein lernt, lernt gleichzeitig auch für Deutsch und andere europäische Sprachen.

Klausurtag im Bundeswettbewerb Fremdsprachen

[Januar 2015] Bereits zum siebten Mal in Folge richtete das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium am Mittwoch, dem 21. Januar 2015, den Klausurtag des Bundeswettbewerbs Fremdsprachen aus. Mit 18 Schülerinnen und Schülern hatten sich wie auch in den vorausgegangenen Jahren  besonders viele Teilnehmer unserer Schule gemeldet, um sich gemeinsam mit Gästen aus den Schulen der Umgebung den hohen sprachlichen Anforderungen des Wettbewerbs zu stellen. Hierbei zeichneten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch große Vielfalt in der Wahl ihrer Wettbewerbssprachen aus – vertreten waren Englisch, Französisch, Latein und Türkisch. Gleichzeitig vermittelten sie durchgehend den Eindruck, dass sie sich hervorragend auf den Prüfungstag vorbereitet hatten und selbst auf komplizierte Fragen zu ihren Vorbereitungsthemen souverän antworten konnten.  Mit den Ergebnissen ist erst im Sommer zu rechnen, doch bedanken wir uns jetzt schon bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für das hohe Niveau, mit dem sie unsere Schule vertreten haben, und halten die Daumen für eine gute Platzierung.
Weitere Wettbewerbe am FvStein: [hier]

Anke Heitmeier