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Steincafé

Literatur

Leitung: Dr. Heinke Stulz
Mitglieder: SchülerInnen der Jahrgangsstufe Q1
Termin: Blockplan

Schreiben, Schreiben, Schreiben ... für 20 Teilnehmer

Eine Übersicht zum Literaturkurs der Q1: [pdf].


 

 

Rückblick

Kunstnacht 2018 im Erholungshaus - Kassandra oder der Fluch des Wissens

Antikes Spektakel in modernem Gewand

[Oktober 2018] Am Freitag, dem 5.10.2018, führte der Literaturkurs des Freiherr-vom-Stein Gymnasiums, unter der Leitung von Frau Dr. Stulz, ein selbstgeschriebenes Stück mit dem Titel „Kassandra oder der Fluch des Wissens“ aus der griechischen Mythologie im Rahmen der Kunstnacht auf.

Die Veranstaltung fand von 18.30 – 19.30 Uhr im Studio des eleganten Leverkusener Erholungshaus statt, wo wir von Licht- und Tontechnikern professionell in Szene gesetzt wurden. 

Nach wochenlangem Schreiben und Proben der Szenen bei jeder Gelegenheit war die Aufregung und Vorfreude vor der Aufführung groß, die mit einem zahlreich erschienenen Publikum belohnt wurde.

Das Stück handelt von der trojanischen Prinzessin Kassandra, deren Gabe der Weissagung von dem Gott Apollon verflucht wurde, nachdem sie ihn zurückgewiesen hatte. Daher fanden ihre Voraussagen bei niemandem mehr Gehör. Die acht Szenen beschreiben Kassandras Weg von dem Untergang Trojas über ihren Tod in Mykene bis hin zu ihrer Neuverkörperung in der heutigen Zeit.

Nach einer kurzen Einführung in das Thema durch Frau Stulz begann der Abend mit einer eindrucksvollen Szene über Hekabe, die letzte Königin von Troja und deren Tochter Polyxena, der Schwester Kassandras, verkörpert von Hezil und Kimberley.

Auch im nächsten Teil des Stückes kam die Königin Hekabe vor, dieses Mal in heftiger Diskussion mit ihrer Dienerin über das bevorstehende Ende Trojas, das Kassandra vorausgesagt hatte, dargestellt von Leonie U. und Lena G. Kassandra hatte lange vor dem „trojanischen Pferd“ gewarnt – ohne Wirkung.

Anschließend führten Madeleine und Lara L. die gelungene Szene zweier Dienerinnen bei der Vorbereitung der Abreise der Griechen aus Trojas nach dem gewonnenen Krieg auf, welche durch einige lustige Elemente (Kisten packen!) viele Lacher beim Publikum erzeugte. Sie diskutierten beim Stapeln das weitere Schicksal der weinenden Kriegsgefangenen Kassandra.

Laura, Leoni und Luisa überzeugten mit dem nächsten Auftritt als Königin Dido, deren Schwester Anna und dem Götterboten Hermes. Die tragische Liebesgeschichte Didos, die von ihrer großen Liebe Aeneas verlassen wurde, schockierte die Besucher und schaffte eine spannende und fesselnde Stimmung. Auch Kassandra hatte Aeneas schon einmal in Troja verlassen, aus demselben Grund: sein göttlicher Auftrag, das Imperium Romanum zu gründen, erlaubt ihm nicht, sesshaft zu werden.

In der nächsten ebenfalls äußerst imposanten Szene über den Mord an dem König Agamemnon von Mykene durch seine Frau, aus Eifersucht gegenüber Kassandra, begeisterten Noa, Jule und Ben als Elektra, Chrysothemis und Orest, die ihrem Bruder, aus dem Palast fliehend, von dem Mord sehr lebhaft berichten.

Über diesen Mord geht es auch in der mitreißenden Szene von Lara S. und Lena K. als Klytaimnestra und deren Amme. Die Königin lässt sich von ihrer Amme verleiten, den Mord an ihrem Ehemann und an Kassandra zu gestehen, wobei die Szene immer weiter an Spannung zunimmt.

Asli und Isabel sorgten als Königin Hekabe in anklagender Unterhaltung mit der Göttin Athene in deren Tempel für eine dramatische Atmosphäre am Ende, die mit der Vorhersage endete, dass Kassandra die Unsterblichkeit verliehen werde, als Trost für ihre ausgestandenen Leiden.

Beendet wurde die Vorstellung von Lara K., Nikolina, Kimberley und Rosa, welche eine moderne Kassandra mit Horrorvisionen vom Ende der Welt, die auch niemand hören wollte, auf die Bühne brachten und besonders durch ihre schauspielerische Leistung auffielen und der Aufführung mit ihrer bestürzenden Szene ein großartiges Ende setzten.

Zwischen den einzelnen Szenen gab es musikalische Überleitungen in Form eines von Ukulele (Jule) begleiteten Gesangs (Lara S.), was durch die dadurch erzeugte harmonische Stimmung ebenfalls gut bei den Zuschauern ankam.

Alle Darsteller/innen trugen trotz der kurzen Vorbereitungszeit ihre selbstverfassten Texte auswendig und mit sicherem Ausdruck vor und fielen des Öfteren durch beeindruckende schauspielerische Leistung auf.

Der Literaturkurs bedankt sich herzlich bei Frau Stulz für ihre tatkräftige Unterstützung, sowie den Besuchern für deren zahlreiches Erscheinen und die positiven Rückmeldungen.

 Leonie Uhlich Q1, Lena Graumann Q1


High Spirits – der Kulturclub

[Juli 2018] Als Erstes ging es in eine RockBarockOper von Arte del Mondo mit einem Barockorchester und einer Band, die das Unterweltmärchen um den mythischen Sänger Orpheus auf die Bühne brachten. Danach, wieder im Erholungshaus, Brecht, Johanna von den Schlachthöfen, eine moderne Aufführung, ohne Einführung eigentlich nicht zu verstehen, aber die gab es ja vorher. Also traten dann alle ganz begeistert den Heimweg an.

Ein unglaublich schönes Erlebnis war Chopins zweites Klavierkonzert mit einem sehr jungen Pianisten, mit dem sich wohl einige der jusizierenden Jugendliche identifiziert haben, wie er mit den Händen die Tasten entlangtanzte und hackte und sein Innerstes zum Klingen brachte.

Wir sahen den Film über Winston Churchills „The last hour“, in unserem Spezialkino  Scala in Opladen im Original und auch Vincent van Goghs Tod als Krimi in echte Van-Gogh-Bilder verarbeitet. Es war wie ein Museumsbesuch, aber mit spannender Story.

Danach echte italienische Oper aus dem Risorgimiento: Rigoletto, der aus Versehen die eigene Tochter tötet, laut, gewaltig und tragisch.

Auf Sacre du printemps, das Frühlingsopfer, unsere erstes Ballett, waren wir alle gut vorbereitet und hatten  uns Stravinskys Musik angehört: leider hatte das Ballett wenig mit der Vorlage zu tun: es blieb das Staunen über die virtuosen Leistungen der Balletttruppe, verstehen konnte man nicht einfach, was da vor sich ging.

Die High Spirits sind ein kleiner Kreis von etwa 25 Oberstufenschülern, die ab und zu gemeinsam auf Kulturveranstaltungen besuchen. Jeder Besuch wird so gut vorbereitet, dass alle die Veranstaltung auch wirklich genießen können. Inzwischen hat sich eine gute Gemeinschaft gebildet, man holt sich gegenseitig ab und gibt sich Bescheid und aus der neuen EF gibt es auch schon viele Anmeldungen.

Es ist großartig, dass sich 14- bis 18jährige in eine Oper trauen, in ein klassisches Konzert, in einen schwierigen Film, den sie mit ihren Freunden nie anschauen würden und mit den Eltern auch nicht mehr so gerne, und hinterher sehr froh sind, dass sie sich an Hochkultur herangewagt haben. Denn Eines ist sicher, wenn man nicht in jungen Jahren beginnt, Kultur als einen interessanten, belebenden Teil in seinem Lebens zu sehen, wird man sich später nicht mehr so leicht daran gewöhnen.

Und der ganz harte Kern fährt auf Studienfahrt nach Heidelberg nach Schuljahresende, zum Heidelberger Schloss und in die alte und berühmte Universität mit ihren Codices.

Hat noch jemand Interesse? Dann bitte über meine Dienstmail anmelden. Heinke.stulz@fvstein.de

Allen schöne, verdiente Ferien!

Heinke Stulz

 


Rhetorik

[Juli 2018] Am 2.7.2018 war unsere Abschlussveranstaltung. Acht Reden in bester rhetorischer Manier gehalten vor geladenem Publikum und Juroren, die von außen kamen: zwei Politiker, Herr Marewski und Frau Dr. Meyer-Ballin, und ein Pfarrer: Herr Dreyer. Berufe, In denen man täglich Rhetorik anwenden muss.

Und die Reden wurden so gut vorgetragen, dass das Publikum 90 Minuten lang keinen Mucks von sich gab und gebannt und fasziniert lauschte. Sieger waren: 1. Preis: Maximilian Lenz mit seiner Rede über die Rhetorik, 2. Preis Sarah Weißleder mit „Über die Fremde“ und Luca Fuchs „Digitalisierung“.

Aber wir haben uns auch Mühe gegeben und unser ganzes Können gezeigt: von der tragfähigen Stimme über sehr individuelle Gesten, kurze Sätzen, vielsagende Pausen, Anekdoten, lustigen Beispielen oder welchen, die zum Nachdenken anregen. Das Publikum blieb uns gewogen und hört zu.

Der Wettbewerbssieger, Maximilian Lenz, hielt seine Rede über die Rhetorik sogar komplett auswendig. Da gab es für ihn viele Gelegenheit, mit dem Publikum zu interagieren und es mit seinen selbstironischen Bemerkungen über seinen eigenen rhetorischen Werdegang zum Lachen zu bringen.

Einen zweiten Preis erhielt Sarah Weißleder, die einen fiktiven Dialog vortrug, in dem sie eine Freundin zu überzeugen suchte, dass ein Aufenthalt in der Fremde, in China, in Shanghai, jeden unglaublich bereichert. Es war wie ein kleines Theaterstück, oder eine szenische Erörterung.

Den weiteren zweiten Platz erhielt Luca Fuchs mit einem abwägenden Vortrag über die beiden Seiten der Digitalisierung, über die unheimliche Sophia, den ersten Roboter mit Staatsbürgerschaft, der auch noch häufig in amerikanischen Talkshow auftritt.

Dann hörten wir noch Finn Pankow mit einer Rede über „Positive Thinking“, die er schloss mit den Worten: Ehrlichkeit ist einer der höchsten Werte! Lieber ein ehrlicher Tritt in den Hintern als ein verlogenes Lob!

Daneben gab es von Nastja Bredenbrock eine Rede über Vorbilder, ihres war Pippi Langstrumpf, die kennen sicher alle.

Die Rede von Lukas Riedel drehte sich um die Ästhetik von Gangster Raps, die Rede von Patricia Scharf dagegen um die Ziele im Leben, die zwischen Epikureern und Stoikern lagen, am Ende sich aber auf ein stoisches, leistungsorientiertes Leben einpendelten. Doch lieber die rote Pille als die blaue. Ein schönes Ergebnis!

André Rodenbach erzählte etwas über das letzte Schuljahr, das vor allen liegt, dass man die Freundschaften genießen sollte und nicht nur ans Lernen denken.

Das Publikum blieb uns treu bis zum Schluss, jeder Redner erhielt lang anhaltenden Applaus, sehr verdient, denn wir haben auch ein Jahr hart gearbeitet an dieser Souveränität und Leichtigkeit, die alle Vortragenden an den Tag gelegt haben.

Wir freuen uns mit allen Rednern, die vorgetragen haben, an den rhetorischen Fähigkeiten, die sie nun in diesem Jahr erworben haben, und wünschen ihnen, dass sie in ihrem weiteren Leben damit ab und zu verdient glänzen können!

Projektkurs Rhetorik  Heinke Stulz

 


5. Poetry Slam für das FvStein gewonnen

Sieger des Poetry-Slams 2018

[Mai 2018] Nico Voss (Q1) siegt beim Poetry Slam, dieses Jahr ausgetragen im Gymnasium Odenthal, und bringt den Slam Pokal zurück ins Stein! Auch ein zweiter Preis ging an unsere Schule, an Finn Pankow aus der Q1.

Am Freitag den 04.05.2018 war es wieder soweit, der Poetry Slam Wettbewerb ging in die nächste Runde. Bereits zum fünften Mal trat der Literaturkurs der Q1 des Freiherr-vom- Stein Gymnasiums gegen Schüler des Gymnasiums Odenthal an, diesmal unter dem „Fragen“.

Zu diesem stattlichen Jubiläum begleitete uns auch unser Direktor, Herr Ruddat, und drückte uns die Daumen.

Pünktlich um 19 Uhr begann der Wettbewerb im Foyer der Odenthaler. Die ersten drei Teilnehmer trugen ihre selbstverfassten Werke vor und faszinierten das Publikum durch ihre sehr persönlichen Darbietungen. Das Motto „Fragen“ hatte höchst unterschiedliche Texte erzeugt. Nun folgte die erste Abstimmung, begleitet von der Big Band der Gastgeber, wobei die Hörerschaft fleißig mit ihren zuvor gekauften roten Rosen abstimmte. Sechs parteilose Schüler zählten diese erhobenen Rosen und hielten das Ergebnis vorerst geheim.

Dieser Vorgang wiederholte sich noch zwei Mal, wobei die Texte von Flüchtlingspolitik, Medienschelte, gekonnte Anmache bis zur großen Liebe reichten. In der darauffolgenden Pause diskutierten die Gäste weiter, bei Softdrinks und Bretzeln, über die vorgetragenen Slams und wer wohl den Pokal gewinnen würde. Dazu spielte die Big Band „Peter Gunn“ und der Kunst LK des Odenthaler Gymnasiums stellte einige Werke zum Betrachten aus.

Anschließend präsentierten die acht weiteren Teilnehmer ihre persönlichen Texte. Drei Vota später folgte die Siegerehrung.

Die sieben Gewinner verteilten sich auf dritte Plätze, zweite Plätze und zwei erste Plätze.

Finn Pankow belegte für das Freiherr-vom-Stein Gymnasium einen der zweiten Plätze mit dem Text über „Small Talk“, der nach einer genauen Analyse der Fragetechnik beim Small Talk am Beispiel eines „mittelalten“ Ehepaares am Frühstücktisch am Ende zu einem ernüchternden und auch erheiternden Ergebnis kam. Ehrliche Fragen sind zu anstrengend, denn man muss sich die Antworten genau merken, Grunzen und Pantomime gehen nur unter Kumpels und: man will ja mit dem Small Talk den anderen bei sich festnageln. Das ist der Sinn davon. Aber Finns Fazit war: Lieber schweigen, das ist einfach ehrlicher!

Der Sieger, Nico Voss aus unserer Schule, gewann mit seinem Slam „Haben Sie eine gute Freude dabei?“ den ersten Platz und holte somit den Pokal zurück nach Leverkusen. Bei seinem Slam ging es um Billigreisen, für 50 Euro nach Spanien,  und der Titel „Haben Sie eine gute Freude dabei?“ kommt immer wieder aus dem Mund des betrunkenen, aber sehr freundlichen russischen Busfahrers, der außer mit diesem Satz sich nicht auf Deutsch äußern kann. Dem Mitreisenden ist alles egal, weil er nur 50 Euro gezahlt hat, aber wir dürfen ihn dann auf der Spirale seiner Reiseerlebnisse begleiten, die ihn am Ende in eine Gummizelle führen, wo er glücklich ist, weil wirklich alles gratis zur Verfügung steht. Dieses Poem können Sie weiter unten im Original lesen.

Zum Ende erhielten alle Slammer eine weiße Rose und tosenden Applaus für ihre Teilnahme und die kreativen und durchaus professionellen Slam Poems. Der Kölner Stadtanzeiger hatte auch einen Fotographen und einen Reporter geschickt und uns einen längeren Artikel am nächsten Tag gewidmet.

Unser Fazit: Es war ein gelungener und unterhaltsamer Abend, welcher uns noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Wir werden jedes Jahr besser! Und nächstes Jahr findet der Slam Poem Wettbewerb wieder in unserer Region statt! Bei der LevLiest 2019.   

 

 

Nico Voss       „Habe Sie alle gute Freude dabei?“

 

Ich komme von fern her, um euch zu warnen

Wenn Werbung und Pop-ups euch noch so umgarnen

Gilt dennoch: Bitte überlegt und seid weise

Und bucht nie im Leben eine Billig-Bus-Reise.

Ich war jung und naiv und hab´s nicht kommen sehen

Für 50 Euro nach Spanien? Ich konnt´ nicht widerstehen.

Das habe ich mit einem Kumpel gebucht.

Ein verhängnisvoller Klick, bald ereilt uns der Fluch.

Wir konnten nicht widerstehen, wir mussten es kaufen.

Wir wollten uns in Spanien doch mal so richtig… die Kultur ansehen.

Um 4 Uhr morgens standen wir am Treffpunkt bereit.

Man muss es positiv sehen, wir sparen Geld und auch Zeit.

Ja, wir waren müde, es war schließlich vier.

Doch wenn man nach Spanien will, darf man sich nicht so genieren.

Klar, dass man da hochmotiviert am Busbahnhof steht.

Leider kam der Bus dann acht Stunden zu spät.

Und ein Gepäckstauraum war auch leider nicht da

Mit dem Koffer auf dem Schoß geht’s im Grunde auch klar

Vor der Abfahrt stellt sich der Busfahrer vor

Kann zwar kein Russisch, doch glaub, er heißt Igor.

Und durch den Lautsprecher hört es sich an wie ein Schrei,

Er fragt: „Chabe Sie alle gute Froide daboi?“

Die erste Stunde Fahrt verläuft recht entspannt,

Nur die Luft im Bus riecht ein bisschen verbrannt,

Doch als wir bei Igor nachfragten, hat er abgewunken

Um da jetzt irgendwas zu reparieren, ist er eh zu betrunken.

Der Bus hält an der nächsten Haltestelle,

Und wie eine brausende Menschenwelle

Stürmen die nächsten Passagiere hinein.

Doch der Bus ist voll und eindeutig zu klein.

Aber wir müssen jetzt weiter, das dauert zu lang

Sie setzen sich auf unsern Schoß oder liegen im Gang.

„Aber wir sparen ja Geld“, denk ich mir nur,

Mit der Bewegungsfreiheit einer Playmobil-Figur.

Ich bin, was Busreisen angeht, ja nicht sehr verwöhnt.

Gut, eine Toilette wäre schön.

Aber ich kann mich eh nicht bewegen, es ist einerlei.

Der Busfahrer fragt: „Chabe Sie alle gute Froide daboi?“

Klar, denn es geht nach Spanien, wir lassen uns nicht linken,

Wenn wir da sind, gehen wir erstmal schön… in ein Museum.

Nach vier Stunden Fahrt, stellt sich die allgemeine Frage:

„Warum hat dieser Bus keine Klimaanlage?“

Die, die Russisch sprechen, übersetzen den Fahrer

„Aus ethischen Gründen“, es wird nicht sehr viel klarer.

Aber bedenken wir mal, wie viel Geld wir grad sparen.

Da kann man auch ohne Kühlung nach Spanien fahren.

Das erkläre ich auch meinem Kumpel sehr stolz,

Doch ich glaub, dass sein Gehirn vor zwei Stunden schmolz.

Ich kann auch bestätigen, dass, wie es so schön heißt,

Eine gemeinsame Reise zusammenschweißt.

Der verbrannte Geruch ist jetzt doch sehr stark, dann

Halten wir an der nächsten Raststätte an.

„Chabe Sie alle gute Froide daboi?

Super, denn der Bus braucht ein neues Teil.

Danach wird der Bus dann auch aufhörn´ zu rauchen.

Doch die Lieferung wird wohl bis morgen brauchen.

Ich hoffe sie alle bleiben entspannt und heiter,

Und die Gute-Laune-Tour geht dann morgen weiter!“

S´ist was die Russischsprechenden fleißig dolmetschen

Während die anderen Fahrgäste die Zähne fletschen.

Gut, wir verpassen einen Urlaubstag in der südlichen Welt,

Dafür sparn´ wir bei der Reise viel Geld.

Und ob ich jetzt lieber einen Cocktail in Spanien hätte

Als einen Kurzen in einer deutschen Raststätte,

Ist ja im Grunde genommen nicht wichtig.

Wenn man schon Geld spart, dann eben auch richtig.

Ich sag auch zu meinem Freund: „Jetzt hab dich nicht so,

Wenigstens haben wir hier Mal ein Klo!“

Mein Kumpel ist für diese Argumente taub

Und redet von gesammeltem Jahresurlaub.

Das fehlende Teil, die Halterung

War am nächsten Tag nicht in der Lieferung.

Das Teil fehlte noch immer an Tag Nummer drei.

„Chabe Sie alle gute Froide daboi?“

Ich konzentrierte mich dann lieber auf´s Gute

Man lernte neue Leute kennen, für fünf Minuten.

Und die heimische Fauna war direkt zum Greifen

Meistens tot auf dem Seitenstreifen.

Mein Kumpel hat sich ab Tag vier nicht geniert

Und einmal das Tankstellen-Sushi probiert.

Er hat dann auch die kommende Nacht

Auf der Raststätten-Toilette verbracht.

So ganz dramatisch war das dann nicht,

Denn auch am fünften Tag war das Teil nicht in Sicht

Der Fahrer fragte dann auch ganz frei:

„Chabe Sie alle gute Froide daboi?“

An Tag sechs kam zufällig ein anderer Bus

Mit freien Plätzen, der nach Spanien musst´.

Mein Kumpel wollt´ schnell dorthin, doch ich sagte: „Nein.

Die Letzten werden die Ersten sein!“

Das war dann der Grund, weshalb wir uns nicht hetzten,

Doch im Endeffekt waren die Letzten die Letzten.

Und die Ersten haben bei der Platzwahl gesiegt

Und wir haben dann keinen Platz mehr gekriegt.

Die anderen Gäste warn´ weg, wir und der Fahrer allein

Er fragt: „Chabe Sie alle gute Froide daboi?“

Problematischer Weise war auch an Tag Nummer sieben

Das fehlende Teil nirgends geblieben.

Und der aufmerksame Zuhörer hat sich auch gedacht

Das Teil fehlte noch immer an Tag Nummer acht.

Mein Kumpel hat sich dann nicht mehr aufgeregt

Und sein Geld in Schnapsflaschen angelegt.

Setzte sich dann an die Autobahn

Und trank jedes Mal, sah er ein Auto fahr´n.

Zwei Stunden später holte ich ihn da raus,

Der Notdienst brachte ihn ins Krankenhaus.

Der Resturlaub im Krankenhaus war für ihn ein Gewinn

Mit Kabelfernsehen, nur leider ist er jetzt blind.

Denn das Besäufnis raubte dem armen Wicht

Sowohl Verstand als auch Augenlicht.

Im restlichen Urlaub, muss ich ehrlich sagen

Hatte ich Glück mit einigen Tagen.

Im Grunde war es mir auch egal

Als man mir an Tag 20 die Koffer stahl.

Auch der Überfall und die erschossenen Menschen

Konnten meine sehr gute Stimmung nicht dämpfen.

Das hab´ ich auch stolz den Polizisten erzählt

Die haben dann die Psychatrie-Nummer gewählt.

Ganz ehrlich gesagt fand ich nur so mittel

Dass der nette Mann im weißen Kittel

Sagte: „Wir müssen jetzt woanders hingehn!“

Aber die Geschlossene ist natürlich auch echt schön.

Zwar musste der Urlaub schon nach kurzer Zeit enden,

Aber ich mag meine Zelle mit den Gummiwänden.

Und eines ist ganz grandios:

Für mich ist alles kostenlos.

Und ich muss doch sagen, ganz ehrlich und ernsthaft,

Befinde ich mich in sehr netter Gesellschaft.

Denn der nette Doktor hat mich eingestuft

Mit Bernd, der im Kamin sitzt und „Winkelgasse!“ ruft.

Und auch Ulla und Jochen, die ein paar Menschen erschossen,

Sind sehr angenehme Zeitgenossen.

Also muss ich sagen, mit reiner Seele

Kann ich ihnen den Urlaub nicht weiterempfehlen,

Denn das direkte Glück liegt halt

In der Nervenheilanstalt.

Statt Alkohol und anderer Sachen,

Schlucken wir Pillen, die uns glücklich machen.

Und trotz Bernd´s ewigem Geschrei

Chabe ich hier endlich gute Froide dabei!

Lea Wielspütz & Pauline Jakob (Q1)

 


Der Adventskalender des Literaturkurses 2017

„Weihnachtsfest oder Christnacht, was findest du besser?“ oder „Was reimt sich auf Lametta?“, hörte man kurz nach den Sommerferien durch die Tür des Computerraumes. Manch einer dachte sich, hat sich der Literaturkurs im Monat vertan. Aber nein, bereits im September begannen wir mit dem Schreiben von Weihnachtsgedichten. Die Gedichte wurden in Adventskalendern zusammengefasst; diese sind eine feste Tradition im Literaturkurs der Q1 und an unserer Schule.

Die Ideen der Gedichte waren vielfältig und entstanden schnell in großer Vielzahl: von brennenden Weihnachtsbäumen, über den Wunsch nach einem weißen Fest bis hin zu Weihnachten im Krankenhaus. Da ist für jeden etwas dabei! Das Dichten gestaltete sich jedoch schwieriger, als es einige vermuteten. Also spielten sich im Unterricht folgende Szenen ab:  

Jetzt war es so weit, aus den gesammelten Ideen mussten nun die besten herausgefiltert werden. Ganz schön schwer, aber einfach mal drauf los schreiben, dachten sich die meisten. Und es entstanden zunächst zwei bis drei erste Strophen. So merkte man schnell, was am leichtesten von der Hand ging. Nun wurde emsig nach den passenden Worten gesucht. Manche Wörter ließen sich nicht reimen, das nächste passt nicht zum Metrum. Hier ein Wort weg, dort ein Synonym, da das Reimschema wechseln… Einige waren schon sehr nahe an der Verzweiflung! 

Nachdem die letzte Strophe zu Ende gedichtet war, dachte man, das ist nun geschafft, puh, endlich! Und gab das Gedicht voller Stolz für ein Feedback zurück. Aber dann kam es zurück, voller Anmerkungen von Frau Stulz, das Metrum ist nicht korrekt, zu viele Silben, Stilbruch hier. Also ging die Arbeit weiter. Insbesondere das Metrum brachte fast alle an den Rand ihrer Möglichkeiten. An diesem Punkt stellte sich auch heraus, wer besonders talentiert im Dichten ist. Da gab es wirklich Leute, denen flossen die Gedichte nur so aus der Hand, einfach und leicht. Wir anderen mussten sie bearbeiten, wie ein Bildhauer einen Stein, bis man endlich sehen konnte, was wir sagen wollten, und das im richtigen Metrum.

Am Ende haben es alle geschafft, ihr Gedicht fertig zu stellen und die Ergebnisse können sich sehen lassen. Sie sind nicht nur stilistisch gut gelungen, sondern auch vielseitig und kreativ in jederlei Hinsicht.  

Bereits vor den Herbstferien waren alle Gedichte fertig und der Kalender bereit um gedruckt zu werden. Als wir die großen Kisten voller Adventskalender empfingen, begannen wir gemeinschaftlich die Kalender mit buntem Geschenkband zu verzieren, um sie verkaufsbereit zu machen.  

Der Verkauf gestaltete sich vielseitig: In den Pausen, auf dem Martinsmarkt, am Elternsprechtag, in der Fußgängerzone oder auf dem Weihnachtsmarkt in Wiesdorf und nicht zu vergessen an die Familie… Fleißig wurde überall Werbung gemacht und viele, viele Adventskalender in ganz Leverkusen verteilt. Manch ein Käufer berichtete, dass er bereits einen Kalender besitzt und nun noch einen haben möchte, um diesen zu verschenken. Andere ließen sich spontan von den Gedichten überzeugen. Das stets positive Feedback ließ uns motiviert weiter und weiter verkaufen. Die älteren Leute wollten uns nie glauben, dass wir die Gedichte selbst geschrieben hatten. Wenn sie es uns dann endlich geglaubt haben, war die Bewunderung dann auch sehr groß.  

Am Ende hat allen das Schreiben der Gedichte viel Spaß bereitet, egal, wie talentiert sie dafür waren,  und wir sind stolz auf das Endprodukt, unseren eigenen Adventskalender.  

Jennifer Juch,Q1

Kunstnacht 2017 im Erholungshaus: Unser Held Sisyphos

[Oktober 2017] Unter der Leitung von Frau Dr. Stulz führte der Literaturkurs der Q1 am Freitag, den 13.10.2017 im Bayer-Erholungshaus im Rahmen der Kulturnacht Leverkusen eine Szenenfolge über den altgriechischen Sagenhelden Sisyphos auf.
Seit Beginn des neuen Schuljahres arbeiteten wir an unseren Stücken zu dem sagenumwobenen Sisyphos, seinen Taten und Strafen. Nach wochenlanger Arbeit war der Abend der Aufführung dann endlich gekommen. Im Erholungshaus warteten auch drei Techniker auf uns, die die entsprechende Licht- und Soundtechnik für uns einrichteten. Wir fühlten uns sehr geehrt, von diesen Experten umsorgt zu werden.
Ab 19 Uhr saßen Familie, Freunde und Besucher auf ihren Stühlen im Studio, als die Lichter angingen. 65 Minuten lang wurden die 9 Stücke von 16 Schülerinnen und Schülern aufgeführt. Zwischendurch gab es sehr schön gestaltete musikalische Ruhepausen  von dem Literaturkurs-Schüler Vincent Krause (Gitarre) und seinem Freund Jonathan Anand (Trompete). Trotz der großen Aufregung lief alles ohne große Probleme ab, der Applaus am Ende war nicht nur von unserer Erleichterung getragen, sondern auch vom Interesse und der Freude unseres Publikums. Unser Ensemble musste sich dreimal verbeugen!
Sisyphos war ein als gerissenes Schlitzohr bekannter Sterblicher, sehr attraktiv und hochintelligent, leider auch sehr eitel, der die Götter oftmals an der Nase herum führte und sie verspottete. Er war der König Korinths und mit dem unsterblichen Stern Merope verheiratet, die er Zeus weggenommen hatte (Szene: Fabienne Dehn und Patricia Scharf). Schließlich beschlossen die Götter, so lange zum Gespött gemacht von ihm, seinem Leben ein vorzeitiges Ende zu setzen und schickten den Todesgott Thanatos, um ihn in die Unterwelt zu bringen und wegzusperren.
Diesem entkam Sisyphos dadurch, dass er den Gott des Todes betrunken machte und fesselte. Ein genialer Streich.
Sisyphos ist eine umstrittene Person, wie auch bei der Aufführung zu erkennen war. So gab es oftmals Meinungsverschiedenheiten über seine Persönlichkeit selbst und ob er ein Held oder ein Verbrecher war (Einleitung durch Michelle Zielina und Sanja Andre).
Zwei Dienerinnen im Palast des Sisyphos unterhielten sich über die Ehestreitigkeiten mit seiner Gattin Merope und stritten darum, ob er nun Reisende ausraubt, um sein Luxusleben zu finanzieren oder ob das alles nur böse Nachrede war (Marie Holtorff und Laura Hampel).
Auch andere Frauen, die Sisyphos aus den Fängen des Göttervaters gerettet hatte, kommen zu Wort. (Szene Pauline Jakob und Lea Wielspütz).
Des Weiteren haben sich Ares (Nico Voß), Gott des Krieges und Hades (Finn Pankow), der Gott der Unterwelt, darüber gestritten, wie Sisyphos nun endgültig gefasst werden und in den Tartarus überstellt werden könnte. Wer sollte das unternehmen? Wieder der tollpatschige Tod? Diese war die längste Szene, denn Ares und Hades treffen sich selten und so hatten sie auf unserer Bühne Gelegenheit, sich einiges an den Kopf zu werfen, was für die Zuschauer sehr vergnüglich war.
Die Lage spitzt sich zu: es wird immer klarer: Sisyphos muss weg, Zeus kann ihn nicht mehr ertragen auf der Erde und so geschieht es dann auch.
Das Publikum durfte dann Hades folgen, wie er sich mit seiner Gattin Persephone herumstritt, weil die schon immer für Sisyphos geschwärmt hatte und deshalb ihren Gatten anklagte, weil ihr Schwarm vorzeitig in den Tartaros gesperrt wurde (Pauline Pennart und Lea Nettersheim.
Später unterhielten sich zwei Göttinnen (Melina Schmidt und Feyza Özdemir) über Sisyphos, wie er sich später im Tartaros so machte, in all den Jahrhunderten, die danach noch kamen. Hat er bereut? Seine Strafe war sehr hart: musste Sisyphos doch immer aufs Neue einen Stein einen Berg hochrollen. Aber dieser Stein, sobald er oben still stand, würde sofort wieder nach unten rollen und seine Arbeit, so sinnlos, würde von vorne beginnen.
Aber inzwischen war Sisyphos im Tartaros berühmt geworden, ein Philosoph namens Camus hatte ihn besucht und ein Buch über ihn geschrieben: Der Mythos des Sisyphos“, und ihn darin zum Vorbild für alle Sterblichen gemacht. Nun konnte ihm sein alter Widersacher Zeus nichts mehr anhaben: sein Ruhm schützte ihn vor weiteren Vergeltungsmaßnahmen.
Am Ende wurde auch noch bekannt, dass Odysseus, der Held der Odyssee, eigentlich der Sohn von Sisyphos war und nicht von Laertes, was man bei einigem Nachdenken für wahrscheinlich halten kann: beide werden der „Listenreiche“ genannt. (Szene Maxine Mölgen und Sarah Weißleder).
Während dieser Stunde mit altgriechischer Mythologie lernten die Zuschauer alles über Sisyphos Taten, die Rettung Aiginas, seine Strafe im Tartaros, die Streiche an den Göttern und die Gedanken seiner Unterstützer und Gegner. Sisyphos wurde bestraft, weil er intelligenter war als alle Götter zusammen, aber er ließ sie es auch spüren. Was ist er nun?
Am Ende waren sich jedoch alle trotz der vielen Unstimmigkeiten einig: „Sisyphos war doch ein Held.“
Ein gelungener Abend, müde, noch geschminkte Gesichter, zwei Sterne, zwei Musiker, Götterkleider, Perlen und viel Antike. Wir behalten ihn in schöner Erinnerung.
Jasmin Hembach(Q1), Marc Cürten (Q1)

Literaturkurs Q1


Die Schreibwerkstatt präsentiert:

[Juni 2017]

Antike Mythen neu belebt

[Oktober 2017] Am 13. Oktober 2017 ist es wieder so weit: Schülerinnen und Schüler des Literaturkurses der Q1 nehmen mit einem eigenen Beitrag an der Kunstnacht Leverkusen teil. Unter der Fragestellung: Sisyphos - ein Held? erzählt der Literaturkurs von Dr. Heinke Stulz in eigenen Szenen das Leben und Leiden des legendären Sisyphos neu. Ein streitbarer Charakter, der sich gegen die Götter auflehnt. Ein Lügner und Betrüger  - aber ist er trotzdem ein Held? Im Laufe der Spielszenen formt sich eine Antwort, zu sehen und hören am 13. Oktober 2017 von 19.00 – 20.00 Uhr im Erholungshaus (Studio). Der Eintritt ist frei!

Literaturkurs Q1

 

 

 


Adventskalender

                  „Adventskalenderöffnungslust, Wunschzettelversand, Lichterkettenaufhängfrust, Karamellkrokant Kuschelsockentragezeit, Backweltmeisteroma, Grünes Tannennadelkleid, Bratapfelaroma“ 

 

Mit dem Literaturkurs unter der Leitung von Frau Stulz haben wir schon im Sommer Schneeflocken rieseln lassen, Tannenbäume gefällt und Weihnachtslieder geträllert.

1 Jahr, 6 Monate und 3 Wochen, insgesamt 569 Tage. So lange dauert es noch bis wir, also die jetzige Q1, in der Mühlheimer Stadthalle stehen um unser Abitur zu feiern. Doch die Vorfinanzierung läuft schon in vollen Zügen. Seit dem Sommer haben wir geschrieben, gereimt, gefaltet, geschnürt, geworben und verkauft um erste Münzen in unsere Abikasse klimpern zu lassen. Mit dem Literaturkurs unter der Leitung von Frau Stulz haben wir schon im Sommer Schneeflocken rieseln lassen, Tannenbäume gefällt und Weihnachtslieder geträllert. Die Gedichte wurden gedruckt, wobei die Kosten freundlicherweise von der Schulleitung übernommen wurden. Anschließend haben wir reihenweise Großfaltaktionen mit der Stufe veranstaltet um  3 Kartons, randvoll mit Papier, in knapp 600 Adventskalender zu verwandeln.

Schon am Elternsprechtag konnte  wir erste Erfolge feiern: Weil erst am Morgen des gleichen Tages die Kartons mit den gedruckten Gedichten angekommen waren, haben wir direkt nach Schulschluss ein Spontanfalten einberufen und parallel die Kalender gebastelt und verkauft. Dabei sind die Adventsgrüße so gut angekommen, dass wir zwischendurch Unterstützung anfordern mussten um mit dem Falten hinterherzukommen. Auch der Verkauf auf dem Weihnachtsmarkt in Wiesdorf erwies sich nach anfänglichen Startschwierigkeiten als hervorragende Einnahmequelle. Nach ein paar Stunden voller fremde Leute anquatschen und Gedichte anpreisen  hatten wir eine ausgefeilte Technik entwickelt. Die bevorzugte Zielgruppe: Rudel mittelalter Herren, die sich mit Glühwein an einem Stand niedergelassen haben. Denn vorherige Beobachtungen haben gezeigt, dass die Frauen meist die Hosen anhaben und sich Unterbrechungen in ihrem Shoppingplan nur selten gefallen lassen. Die unterjochten  Ehemänner hingegen würden die Kalender oft nur zu gerne kaufen und werfen einem nahezu ausnahmslos entschuldigende Blicke zu, wenn sie weiter gezerrt werden. Alternativ gaben auch alte Ehepaare gute Käufer ab, vorausgesetzt die Dame hat gute Laune. Wenn nun also die Zielpersonen in Sicht waren,  machten wir mit einem im Chor geträllerten „Haaallooo“ auf uns aufmerksam. Im Fall einer, wie auch immer gearteten, Reaktion wurden unsere armen Opfer dann erst mal von einem Redeschwall (a la Freiherr-vom-Stein … Abivorfinanzierung … nicht nur Eltern zahlen … Gedichte …. SELBSTGESCHRIEBEN …) überollt. Die meisten waren danach durchaus bereit uns 5€ zu überlassen, mal mit, mal ohne Kalender als Gegenleistung.  
Am lustigsten war die Situation, als wir uns zu einer Gruppe von vier Herren gesellten und unsere inzwischen einwandfreie Rede erneut abspulten. Nach kurzem Hin und Her war der erste auch bereit, einen Kalender zu kaufen, kurz danach der zweite. Die anderen beiden hatten allerdings eindeutig nicht vor, irgendwelches Geld in hochkarätige Literatur zu investieren, aber da hatten sie ihre Rechnung ohne ihre Freunde gemacht. Diese machten sich nämlich minutenlang über einen der beiden lustig und versuchten ihn zu überzeugen, bis der einfach klein beigab und uns 5€ in die Hand drückte, auf seinen Kalender verzichtete er lieber. Daraufhin schaute der vierte leicht schockiert und beunruhigt aus der Wäsche, wobei er wahrscheinlich gerade seine Fluchtchancen abwog. Wir machten uns dann zwar selbst lieber vom Acker, bevor wir hier noch langjährige Freundschaften zerstörten, aber den Ruf als absoluter Lyrikverabscheuer wird er wohl so bald nicht los werden. 

Also, wenn ich euch einen Tipp geben darf: Schreibt Gedichte, Verkauft Kalender, lasst euch nicht abwimmel. Stur lächeln und winken, Männer! Denn so schnell verdient man nicht oft knapp 3.000 Euro!!    

Fine Petrick, Q1


Kunstnacht 2016: Trump ist Präsident - was tun?

"Odysseus" auf der Flucht vor Trump

[Oktober 2016]  Als am 7.10. die Zuschauer den Vortragssaal im Forum Leverkusens verließen, sahen sie alle beeindruckt aus. Gerade hatte hier der Literaturkurs die Odyssee, übertragen in die heutige Zeit, vorgeführt. Dafür hatte man sich auch lange vorbereitet und eifrig Dialoge geschrieben und geübt. Dazu hatte man nicht nur die Unterrichtsstunden verwendet, jeder hatte auch zu Hause weitergemacht. Es gab sogar fachliche Unterstützung, denn ein Spezialist, der beruflich Schauspieler trainiert, half in der Vorbereitung und sagte den Schülern, worauf sie zu achten haben. Damit jeder eine Hauptrolle haben konnte, griffen wir zu einem dramaturgischen Trick, der interessante Szenarien hervorbrachte. So durfte der neue Odysseus, den man Pablo genannt hatte, nicht in den Dialogen vorkommen. Andere Augenzeugen sollten über Pablos Abenteuer berichten. Die Schüler merkten schnell, dass es gar nicht so einfach ist, das in einen abwechslungsreichen Dialog umzusetzen.

Trotzdem fanden sich immer wieder schöne Ideen. So diskutierten zu Beginn zwei Klassenkameraden von Pablo ihre Pläne, sich nach Deutschland abzusetzen (Jan, Simon). Danach wurden dem Publikum zwei Drogendealer vorgesetzt, die Lotophagen, die die Ausreißer um Pablo getroffen hatten (Jost, Diyar). Anschließend wurde es sogar noch ausgefallener: Das Publikum durfte zwei Bandenmitglieder der Hells Angels bestaunen, Polyphem und Konsorten. Diese mussten mit einem ordentlichen Kater erstmal rekapitulieren, wie ihr Hauptquartier zerstört worden war (Artur, Philipp). Danach sahen die Zuschauer eine Sozialarbeiterin, die in  Pablo einen Kindersatz sah: Kalypso. Ihre Freundin musste ihr bei einem Kaffee helfen loszulassen (Julia, Leonie). Anschließend ließ ein Passant seinen Zeitdruck vor einem Bewerbungsgespräch im ganzen Raum spürbar werden. Zu seinem Pech bestand ein Polizist aber auf einer ausführlichen Aussage zu einer Schlägerei von Pablos Truppe (Christian, Thomas). Weiter ging es, nach einer der zwei Pausen, in denen Zuschauer kommen und gehen konnten, ganz im Sinne der Kunstnacht, mit zwei Kellnern aus einem Café, die sich nicht zu schade waren, ihre griesgrämige Chefin Kirke durch die Überwachungskameras zu beobachten. Umso erstaunter waren sie, als diese sich plötzlich als total verliebt gab, als sie Odysseus-Pablo zu Gesicht bekam (Lena,Moritz). In all der Aufregung konnte sich dann eine glückliche Gruppe Jugendlicher davonstehlen, nachdem sie wochenlang gefangen gehalten worden waren. Nach dieser bitteren Erfahrung, wie hilflos Illegale sind, hatten seine Freunde genug und wollten nach Hause.

Pablo selbst suchte aber weiter nach seinen deutschen Verwandten. Danach erfuhr ein wütender Chef, dass  Pablo in seiner Bar den Seher Teiresias getroffen und dabei wieder eine Spur der Verwüstung hinterlassen hatte, die aber eigentlich  nicht seine Schuld war. Die nächsten Darstellerinnen zeigten eine ganz andere Szenerie: Zwei Sängerinnen, die verführerischen Sirenen, stritten sich erbittert, aber auf vergnügliche Weise, um Pablos Aufmerksamkeit (Ina, Sioux). Als letztes erfuhren die Zuschauer durch Pablos Verwandten, wie alles zu Ende ging (Dilara, Finn). Pablo fand seine Familie in Köln und wurde dort aufgenommen, flog dann aber auch zurück nach Hause, denn Trump wurde durch ein Bombenattentat getötet. Die Dialoge zeigten sich so sehr vielseitig und überraschten die Zuschauer immer wieder mit neuen Figuren.

Die Schüler mussten in diesem großen Raum ohne Mikrofon zwar daran denken, laut genug zu sprechen. Außerdem durften sie nicht vergessen, ihre eigenen Requisiten mitzuführen. Trotzdem waren die Darstellungen sehr gelungen und überzeugten insbesondere in menschlicher Hinsicht. In dem Saal waren auch fast alle Stühle belegt. Dabei waren viele Gäste natürlich Freunde und Verwandte, es gab aber auch nicht wenige, die nur durch die Kunstnacht auf die Vorstellung kamen. Der Literaturkurs von Frau Stulz hat sogar schon einige regelmäßige Besucher, sich die jedes Jahr bewusst die Aufführung des Literaturkurses ansehen.

Die Szenen des Stückes waren dieses Jahr  sehr aktuell. Man merkte den sehr realistisch gestalteten Szenen ihren Ernst und ihre klare Sicht auf die Probleme von illegalen Flüchtlingen an.  Dennoch gelang es den Schülern auch immer wieder, das Publikum zum Lachen zu bringen. Das Großartige und zugleich Wesentliche des Stückes war aber sein Panoptikum an Gestalten und Schicksalen, die den Besuch zu einem unvergesslichen Abend machte.  

Finn Eckstein Q1


Kunstnacht Leverkusen 2016 - Der Literaturkurs Q1 im Forum

 

[Oktober 2016]

MODERNE ODYSSEE - Literaturkurs Q1 Stulz

18:30 - 19:30 Uhr im Vortragssaal des Forums

Der Literaturkurs zeigt  in selbstgeschriebenen Szenen eine neue Version der Odyssee heute  – Trump ist an der Macht – amerikanische Schüler als Flüchtlinge in Deutschland – Jugendliche ohne Geld im Untergrund.
Eintritt frei.


Alkestis: Anspruchsvolles Theater mit Tanz und opulenten Bildern

Düstere Gestalten betrauern Alkestis

[Juni 2016] Einen gelungenes Gesamtkunstwerk durfte erleben, wer die Aufführung „Alkestis“ nach der antiken Vorlage des Euripides besucht hat. Unter der Leitung von Dr. Heinke Stulz verfasst, stellten die Schülerinnen und Schüler des Literaturkurses Q1 eine griechische Tragödie dar, deren traditionelle Elemente durchgängig übernommen, aufgrund aktueller Bezüge aber für den Zuschauer kurzweilig nachvollziehbar waren:

Grüne Wiesen, bedrohliche Wälder, ein reiches Haus, ein armes Haus. Vor diesen Kulissenbildern entfaltete sich das Drama um die starke, unglückliche Liebe von Alkestis (Marie Christ) zu Ahmed (Lennart Sacré), die - von elterlichen Erwartungen behindert - schließlich mit dem Tod der Liebenden endet. Fast wie bei Romeo und Julia, was öfters zitiert wurde.

Der antike Chor in Masken ahnte von vornherein das grausige Ende, ohne es verhindern zu können. Die lustigen Personen (Gloria von Arnim, Matthias Hupp, Anna-Marie Linstaedt) nahmen ihrerseits keinen Blatt vor den Mund und befreiten das Publikum immer wieder aus der Trauerstimmung einer griechischen Tragödie.

Umrahmt wurden die unter Regie des Theaterpädagogen Jürgen Albrecht erarbeiteten Szenen von Darbietungen der Tanz-AG, die mit ausdrucksstarkem Tanz zu emotionaler Musik das Publikum bravourös in die richtige Stimmung für den nächsten Akt brachten. Am Ende schließlich betrauern sie mit kleinen Laternen auf dunkler Bühne vor einer Friedhofskulisse die Toten zu Bachs Toccata und Fuge– eins von vielen stimmigen Bildern, das die Tanz-AG von Sabine Hasenbach-Busch mit schönen Kostümen und abwechslungsreicher Choreographie zu zaubern verstand.

So klingt das Stück aus, das von allen Schauspielern lebendig und brennend  gespielt wurde und durch Tanz, Musik und großformatigen Projektionen zusätzlich Atmosphäre erhielt. Eine emotionale Berg- und Talfahrt mit schönen Bildern.

Dank an alle, die mitgewirkt haben! Wir haben schöne Aufführungen erlebt.
Gundula Jende-Soeken (Redaktion)


Alkestis: Vom Lieben, Sterben und Lachen

Neubelebung der Alkestis am FvStein

[Juni 2016] Ewige Liebe, selbstlose Hingabe und Opfertod – was daran bitte schön soll komisch sein?: Schülerinnen und Schüler des Literaturkurses „Kreatives Schreiben“ unter der Leitung von Dr. Heinke Stulz haben sich daran gemacht, die antike Tragikomödie „Alkestis“ von Euripides neu zu interpretieren und den komischen Elementen gebührend Raum zu geben. Aufgeführt wird das Werk mit Intermezzi der Tanz-AG und des Literaturkurses „Tanz“, unter der Leitung von Sabine Hasenbach-Busch und Isabel Raschik. Regie führt der Kölner Schauspieler und Regisseur Jürgen Albrecht im Rahmen eines Projektes von „Kultur und Schule“. Termine: 3./ 6. Juni um 19:00 Uhr in der Aula. Eintritt: 3 bzw. 6 Euro.